Schäfer der schwarzen Schafe

 

König der Nacht Du reckst Dich im Schlaf

War die Welt böse, war sie nicht brav?

Rollst heraus aus dem Sarg der Erde

Schneidest das lebende Fleisch mit der Scherbe.

 

Dunkler Geselle Dein Mäntel er trieft

Deine Gefolgschaft ist fest und verbrieft

Sieh in den Tümpel von grünlicher Nacht

Wie lang hast Du daran nicht gedacht?

 

Schatten bewandern den schlüpfrigen Steg

Keuchend und steif machst Du dich auf den Weg

Alter verliert doch fordert es Kraft

Fehlt Dir doch der menschliche Saft.

 

Menschengestalt, gebeugt und verknautscht

Gesicht eingefallen und übel berauscht

Dumpfe Gedanken liegen über der Senke

Führ Deine schwarzen Hengste zur Tränke.

 

Klappriges Husten erfüllet den Schaum

Leidend und windet zerteilt sich ein Traum

Verkrüppelt die Wurzeln, gestochen der Stamm

Gehen die Flieger ihr Tageswerk an.

 

Sie nennen Dich Orden, sie rufen die Meister

Verstand und die Ohren sie kleben von Kleister

Der süßlichen Rede, Du Herr der Präsente

Du schürest das Feuer und schmiedest die Ränke.

 

Man wähnt Dich verschollen, man wähnt Dich zerschlagen

Doch jeder scheut allzeit zurück Dich zu fragen

Wohin Du entschwunden und ob Du gegangen

Warum dann nicht fröhlich die Sonn´ aufgefangen.

 

Sie schimpfen Dich Rätsel und sehn schon Legende

Es zittern die Leiber, es beben die Wände

Sie wollen gern glauben an Märchen und Wunder

Du bist der Stein und sie nur der Zunder.

 

Die Büchse sie rasselt den Feldweg entlang

Am Steine geschrieben der sterbende Mann

Von Wölfen verzehret, den alten Halunken

Von Menschen gequälet in üblen Spelunken.

 

Du näherst Dich dem Dorfe, der Kirchturm steht weiß

Er kann Dich nicht schrecken, Du zahltest den Preis.

Vater der Sünde, wer hat Dich geweckt

Wer trägt die Schuld, wer hat Dich erschreckt?

 

Der Stein von dem Wolfe, er kreist Dir noch nach

Bedauernd denkst Du an den einst vollen Bach

Der innigen Liebe, der Freundschaft und Treue

Er hat sie vergiftet, er kennt keine Reue.

 

Die Menschen dort schlafen, sie kümmern Dich nicht

Du hast heute Nacht eine größere Pflicht

Denn endlich entwunden dem steinernen Tor

Trittst Du heute zu neuen Taten hervor.

 

Sie nennen Dich Teufel und Dämon und Monster,

doch wissen sie nichts und starren am Fenster

die Angst sie ist feige, sie atmet das Faule

Du gibst schon die Sporen dem schwarzmähn´gen Gaule.

 

Sie warten auf Dich, ja sie wissen´s nur nicht

Sie stehen herum nur mit fahlem Gesicht.

Die Weisung kann kommen von Dir nur allein

Du lässt sie sich betten in Dein Herz hinein.

 

Die Hunde sie helfen beim Zähmen der Herde

Verdorren soll alle erquickliche Erde

Das Blöken wird Schreien und härtester Stahl

Du lässt allen Schafen nie mehr eine Wahl.

 

 

JCS 09