Felsenvogel

 

Wenn Worte durch die Hallen wallen

Und Blätter schon zu Boden fallen

Die Blicke sich gen Boden senkten

Wolken schwer den Glanz verhängten.

 

Wer naht dort vorn? Ich bitt Dich, sprich!

Dass er nicht glüht sieht jeder nicht.

Erhoben über rote Flockenwelten

Keiner kann´s ihm recht vergelten.

 

Eisenharte Eselsohren

Träume aus dem Glas geboren

Haut von Leder, fest und zäh

Unterm Wipfel blühte Klee.

 

Eingefasst in Rahmenformen

Wurd´ die alte Saat geboren

Wurd´ das alte Lied gezupft

Bis das Herz im Leibe hupft.

 

Flossen einst die gelben Ströme

dorthin wo die besten Söhne

Eines Landes war´n versammelt

Wo heut trüb der Knochen gammelt.

 

Vogel an dem Bergeshang

Hängst nur dort und schaust sie an

Wie es walzt und kracht und bricht

Taten wurden zu Geschicht´.

 

Doch welch Gott erschuf das Sehnen

Das sie in den Händen wähnen

Obwohl es doch hinübertreibt

Wild und wuchernd, heiß verzweigt.

 

Diese Nüstern stoßen Hagel

Auf die Erde wie ´nen Nagel

Diese Stiefel wahrhaft bringen

Stein zum Weinen und zum Klingen.

 

Lippen formen Wasserfälle

Blut spritzt gurgelnd aus der Quelle.

Reihe über Reihe bricht

Während Weizen Gerste sticht.

 

Vogel thront aus Fels und Kalk

War schon immer, wirkt nicht alt

Es wandert schon der Blick empor

Ängstlich zögernd, wartend nur.

 

Horch, es rollen Sterne an

Schau, es folgt ein Zauberbann

Riech, der Schwefel ätzt den Schlamm

Fühl, die Welle sprengt den Damm.

 

Gezwitscher aus dem Süden treibt

Getöse jeden Stamm verneigt

Hölzern Dächlein angesteckt

Weißes Mäntlein arg verdreckt.

 

Staub und Asche sollen rieseln

Dünne Fäden löchrig nieseln

Spitze Brocken schmelzen ein

Von dem Glanz trügt nur der Schein.

 

Erbsengroß die Blüte stürzt

Jeder seinen Atem kürzt

Tiefer Flug er endet schlüpfrig

Weiß er um das zarte Glück nicht?

 

Emsig trampeln Horn und Lumpen

Werfen sich an spröde Pumpen

Werfen sich mit allem Wahn

In den gestrickten Götterplan.

 

Blitze zucken, Schreie gellen,

wieder tönt das schaurig´ Bellen

von den Hängen pfeift ein Hauch

Zukunft strandet auf dem Bauch.

 

Ob fliegend Zacken, ob gehend Hufe

Alle Seiten bilden Rufe

Alles Grase sich verzehret

Nach dem Dorn der ewig währet.

 

Im blauen Schein des schwarzen Dochtes

Gab es Rohes und Gekochtes

Gab es Leben und den Tod

Gab es Erdenblut so rot.

 

Ein Gaukler vorn am Wagen hing

Wind sich in seinen Haaren fing

Mit glänzend´ Augen stiert er hin

Wo alles war, was nun ging hin.

 

An den Wänden prangen Bilder

Jeder Schmerz macht klein und milder

Jedes Licht hat wenig Kraft

Jeder Schatten wird bestraft.

 

Über allem sitzt er da,

der Greif der mehr als Dämmer war –

giert auch noch in Ewigkeit,

bleibt zum Todessturz bereit.

 

JCS 09